Lieber Unbekannter,

ich kenne deinen Namen nicht, ich weiß nicht, wo du gerade bist oder wie dein Leben aussieht. Und trotzdem möchte ich dir schreiben, weil ich glaube, dass du diesen Satz vielleicht gerade hören musst:

Du bist nicht allein.

Auch wenn es sich manchmal so anfühlt, als wärst du komplett abgeschnitten von der Welt, als würden alle anderen „funktionieren“ und nur du nicht, das ist eine Lüge, die das eigene Gehirn einem in schweren Zeiten erzählt. Eine sehr überzeugende, sehr laute Lüge. Aber sie bleibt trotzdem eine Lüge.

Wenn es dir gerade nicht gut geht, wenn alles schwer ist, wenn du dich innerlich leer fühlst oder überfordert, ängstlich, traurig, wütend oder einfach nur müde, dann ist das nicht dein Versagen. Das ist nicht „Schwäche“. Das ist nicht „du stellst dich an“. Das ist ein echter Schmerz. Und echter Schmerz verdient Hilfe, Verständnis und Zeit.

Vielleicht bist du gerade an einem Punkt, an dem du dich fragst, wie lange du das noch aushalten sollst. Vielleicht hast du das Gefühl, dass du niemandem zur Last fallen willst. Vielleicht versuchst du jeden Tag irgendwie durchzukommen und es kostet dich mehr Kraft, als andere jemals sehen würden.

Ich möchte dir sagen: Es ist okay, wenn du nicht mehr kannst. Es ist okay, wenn du gerade nicht stark bist. Du musst nicht immer kämpfen. Manchmal reicht es, einfach nur zu atmen und den nächsten kleinen Schritt zu schaffen. Nicht das ganze Leben. Nur den nächsten Moment.

Und wenn du heute nur eine Sache geschafft hast, aufzustehen, zu essen, eine Nachricht zu lesen, weiterzumachen, dann war das bereits viel. Mehr als du vielleicht glaubst.

Du bist nicht kaputt. Du bist ein Mensch, der gerade leidet.

Und auch wenn es sich vielleicht nicht so anfühlt: Es wird nicht für immer so bleiben. Gefühle können furchtbar überzeugend sein, besonders die dunklen. Sie fühlen sich an wie die Wahrheit. Aber sie sind wie Wetter: manchmal stürmisch, manchmal grau, manchmal unerträglich. Und irgendwann, auch wenn es lange dauert, wird es wieder leichter. Vielleicht nicht sofort. Vielleicht nicht plötzlich. Aber Schritt für Schritt.

Bitte, wenn du kannst: Sprich mit jemandem. Irgendwem. Einem Freund, einer Freundin, jemandem aus deiner Familie, einem Arzt, einer Therapeutin, einer Beratungsstelle. Du musst das nicht alleine tragen. Du musst nicht erst „am Boden“ sein, um Hilfe zu verdienen. Du darfst dir Hilfe holen, weil es dir schlecht geht. Punkt.

Und wenn du gerade denkst: „Aber ich weiß gar nicht, wie ich das sagen soll“ dann sag einfach:
„Mir geht’s nicht gut.“
Das reicht als Anfang.

Ich wünsche dir, dass du jemanden findest, der dich hält, ohne dich zu bewerten. Und wenn du gerade niemanden hast: Dann halte dich selbst so gut du kannst. Sei sanft mit dir. Rede mit dir so, wie du mit einem Menschen reden würdest, den du liebst.

Du bist wertvoll, auch wenn du dich nicht so fühlst.
Du bist wichtig, auch wenn du gerade nur noch funktionierst.
Du hast ein Recht darauf, da zu sein.

Und wenn du heute Nacht wieder in Gedanken versinkst, dann erinnere dich an diesen Brief: Irgendwo gibt es jemanden, mich, ein fremdes Wesen hinter diesen Worten, der dir glaubt, dass du leidest, und der trotzdem daran glaubt, dass du es schaffen kannst.

Nicht weil alles leicht wird.
Sondern weil du mehr bist als dieser Schmerz.

Bitte bleib!!!!!

Mit ganz viel Wärme,
ein unbekannter Mensch, der dir alles Gute wünscht

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