Liebes du, das gerade diese Zeilen liest,
wenn du dies gefunden hast, dann vielleicht, weil da ein Teil in dir ist, der einfach nicht mehr kann.
Oder weil du gerade ausprobieren willst, ob irgendwo auf dieser Welt noch ein Satz, ein Wort, ein Mensch ist, der sich so anfühlt wie Halt.
Dann lass mich dir zuerst eins sagen:
Du bist gerade nicht „zu schwach“. Du bist einfach sehr, sehr müde von etwas, das viel zu lange zu schwer war.
Ich kenne das Gefühl, stark sein zu müssen, obwohl man sich innen drin winzig und zerbrechlich fühlt.
Das Weiterfunktionieren, obwohl der Körper nur noch schreien möchte: „Ich kann nicht mehr.“
Und dieses leise Gift im Kopf, das flüstert: „Es würde doch eh keiner merken, wenn ich verschwinde.“
Vielleicht kommt dir dein Leben gerade vor wie ein Tunnel ohne Ausgang.
Vielleicht schämst du dich sogar für deine Gedanken.
Vielleicht hast du das Gefühl, du enttäuschst alle, wenn du sagst, wie schlecht es dir wirklich geht.
Wenn das so ist, dann atme bitte einmal langsam ein und noch langsamer wieder aus, dann lies weiter:
Du bist kein Problem, das gelöst werden muss.
Du bist ein Mensch, der zu lange alleine getragen hat.
Es gibt Dinge im Leben, die sind so schwer, dass kein Mensch sie „einfach wegatmen“ oder „positiv denken“ kann.
Verlust, Überforderung, Einsamkeit, Scham, alte Wunden, die nie richtig heilen durften, das ist viel.
Vor allem, wenn man jahrelang gelernt hat: „Ich pack das schon. Ich darf nicht zusammenbrechen.“
Vielleicht glaubst du, du wärst ersetzbar.
Aber es gibt Sätze, Blicke, Gesten, die nur du in diese Welt bringst.
Es gibt Menschen, die würden nicht dieselben sein, wenn es dich nie gegeben hätte, auch wenn sie es dir nicht immer zeigen konnten.
Und vielleicht hast du gerade nicht die Kraft, für „die ganze Zukunft“ zu bleiben.
Dann bleibt dir vielleicht nur dies hier:
Bleib für diesen einen Moment.
Für diese eine Nacht.
Für diesen einen Atemzug.
Mehr musst du jetzt gerade nicht entscheiden.
Manchmal ist „nicht aufgeben“ nichts Heroisches, sondern einfach:
„Ich bleibe nochmal eine Stunde. Ich warte noch einen Morgen ab.“
Was mir immer wieder geholfen hat in dunklen Zeiten, war nicht ein großer Sinn oder ein großer Plan.
Es waren kleine, leise Dinge:
eine Stimme am Telefon, die einfach nur zuhört,
eine Hand, die eine Tasse hinstellt, ohne etwas zu verlangen,
ein Mensch, der sagt: „Du darfst so fühlen. Ich bleibe.“
So jemanden wünsche ich dir von Herzen.
Und falls gerade niemand greifbar ist, dann möchte ich dir sagen:
Es ist kein Versagen, dir Hilfe zu holen.
Nicht schwach. Nicht peinlich.
Es ist ein Zeichen von Leben in dir, dass du überhaupt noch suchst.
Wenn du kannst, tu heute eine kleine Sache für dich:
jemandem schreiben: „Mir geht es gerade nicht gut. Kannst du kurz da sein?“
bei einer Beratungsstelle anrufen oder einen Chat öffnen,
oder einfach nur: aufstehen, ein Glas Wasser trinken, ans Fenster gehen.
Du musst nicht wissen, wie dein Leben in einem Jahr aussehen soll.
Es reicht, wenn du dir erlaubst, dass heute noch nicht der Tag ist, an dem alles enden muss.
Ich kenne dich nicht beim Namen. Aber ich weiß eins:
Die Tatsache, dass du diese Worte liest, bedeutet, dass in dir noch ein Teil ist, der sich nach einem anderen Ende der Geschichte sehnt als „abbrechen“.
Bitte nimm diesen Teil ernst. Er ist kostbar.
Du musst dieses Leben nicht perfekt leben.
Du musst es nur lang genug halten, um wieder einen Moment zu spüren, in dem du sagst:
„Gut, dass ich noch da bin.“
Den wünsche ich dir – von Herzen.
Und bis dahin: Du darfst müde sein. Du darfst traurig sein. Du darfst Hilfe brauchen.
Und du darfst bleiben.
In Verbundenheit,
ein Mensch, der weiß, wie dunkel es werden kann und trotzdem glaubt, dass dein Platz hier wichtig ist <3