Auch ich bin in meinem Leben durch viel Dunkelheit gegangen und sicher wird die eine oder andere dunkelste Phase noch kommen.

Das letzte Mal bin ich in eine tiefe Depression gefallen, bevor ich meinen ersten Job angetreten habe.
Ich hatte solche Angst, nicht zu genügen, ausgelacht zu werden oder nicht dazuzupassen.

Es fühlte sich an, als würde ich an diesem Tag sterben, als würde ich all mein Lachen, meine Freiheit und alles, was ich gerne habe, verlieren.

Der Hintergrund war, dass ich sehr sensibel bin und nun als Ingenieurin arbeiten sollte. Wenn ich meine zwei Onkels anschaue, die beide Ingenieure sind, und wie sie sich in der Welt bewegen, dann hatte ich das Gefühl, dass ich so nicht sein kann: so männlich, abgebrüht, selbstsicher, grau und kompetent.

Meine größte Angst – und ich denke, es ist wichtig, nach den Ängsten hinter den Ängsten zu fragen – war, in der Arbeit zu weinen.

Als ich das einer Freundin erzählte, packte mich plötzlich die Wut.

Warum ist es gesellschaftlich so, dass es so schlimm ist, wenn man weint? Weinen ist doch eine gesunde Reaktion auf eine Schwierigkeit.
Ich habe zu ihr gesagt, dass ich mich nicht dafür schämen will, dass ich weine. Dass ich den Menschen in die Augen sehen will, wenn ich weine.
Dass es keinen Grund gibt, mich wegen meiner Tränen zu verstecken.
Das war der Anfang der Lösung.

Dieses „Ich stehe dazu, wie ich bin“ hat sich Schritt für Schritt vergrößert.
Ich stehe dazu, dass ich nicht sofort alles verstehe. Ich stehe dazu, dass ich tolpatschig bin. Ich stehe dazu, dass ich mit gewissen Menschen nicht so gut klarkomme.

Ich stehe zu allem, was und wie ich bin.

Ich denke, das ist auch als politisches Statement wichtig. Die Würde des Menschen ist unantastbar und wird nicht kleiner, je nachdem, wie viel man leistet, wie man aussieht oder was man kann.
Wir müssen zu uns stehen, uns aufrichten und es nicht zulassen, dass Menschen uns wegen unseres Geschlechts, unserer Hautfarbe, unseres Andersseins etc. unterdrücken.

Und das fängt damit an, dass wir zu uns stehen, no matter what.

Hinter unseren Tränen, unseren Fehlern, unseren Gefühlen und unserem Menschsein.

Normal ist ein unglaublich breites Spektrum, das so viele unterschiedliche Menschen einschließt, und du gehörst auch dazu. Du hast deinen Platz in dieser Welt verdient, SO WIE DU BIST.
Du musst dich nicht ändern, um gut genug zu sein – du bist gut genug.

Long story short: Ich habe angefangen zu arbeiten und meine männlichen Kollegen sind keine kalten, abgebrühten Hunde, sondern feinfühlige, sensible Wesen wie ich – alle ganz wunderbar unterschiedlich.

Die Angst sieht wenig, sie hat Scheuklappen. Das Leben sieht mehr. Es lohnt sich, die Angst auszuhalten und zu schauen, wie es wirklich ist.

Ich wünsche dir das Beste! Steh für dich selbst, du bist wunderbar!

Liebe Grüße,
Sara

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