Hallo,

wir kennen einander nicht, und wenn du diesen Brief liest, geht es dir vermutlich nicht gut. Vielleicht eher schlecht oder sogar so schlecht, dass du dich fragst, ob du dieses Leben noch so ertragen kannst.

Dazu fällt mir ein Gleichnis ein, dass ich mal irgendwo gelesen habe. Und wenn du jetzt mit den Augen rollst und meinst „was soll das denn jetzt“ – los, lies einfach… Also:

Stell dir vor, jemand will umziehen. Die Person hat keinem gesagt wohin sie ziehen möchte oder aus welchem Grund … Jedenfalls hat sie alles eingepackt, die Möbel auseinandergebaut und Stück für Stück die Treppe heruntergetragen und so weiter. Sie ist mächtig stolz auf sich! Zuletzt steht noch die Waschmaschine zum Transport. Weil sie keinem gesagt hast, dass sie umzieht, gibt es keinen der mitanpacken kann. Wie kommt die Waschmaschine nun in die neue Wohnung?

Das Leben nicht mehr ertragen, nicht mehr tragen können – stelle ich mir als ungemein schweres, bleiernes Gefühl vor. Mindestens so schwer wie eine Waschmaschine, die man allein tragen soll.

Bei einem Umzug kommen wohl nur wenige auf die Idee, es doch allein zu versuchen. Da wird der Nachbar gefragt, eine Sackkarre organisiert, ein Handwerker bestellt…

Wieso kann es jetzt nicht auch so sein? Überlege, wer mit anpacken kann und ruf dort an, geh hin, schreib eine Nachricht. Es kann sein wie beim Umzug, erst wollen alle helfen und dann kommt doch keiner. Aber hier geht’s nicht um deinen Umzug, hier geht’s um dein Leben. Was macht dein Leben so unerträglich – und wer soll mitanpacken?

Alles Liebe, S. 

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