Wenn du meinen Brief liest, fühlst du dich vielleicht total von allem abgetrennt. Als würde alles was das Leben lebenswert macht an dir abgleiten. So zumindest war es für mich. Auch liebe Worte sind an mir abgeglitten, ich konnte sie nicht glauben oder fand, dass sie nichts ändern. Aber ich konnte lernen Einfluss auf mein Befinden zu nehmen.
Das habe ich durch einen Klinikaufenthalt gelernt und auch Medikamente haben geholfen, obwohl ich es lange abgelehnt habe zu Ärzten zu gehen oder Medikamente zu nehmen. Deswegen will ich dich gerne ermutigen, dir Hilfe bei Ärzten zu suchen. Im Krankenhaus konnten sie mir in relativ kurzer Zeit das volle Hilfspaket geben und ich konnte bei allen Angeboten entscheiden was mir wirklich hilft und was nicht.
Es ist normal, dass nicht alles bei jedem hilft. Vielleicht hast du schon mal versucht Hilfe zu holen und auch das war nicht sofort eine gute Erfahrung. Das kenne ich leider auch, aber ich will dir hiermit etwas Kraft senden es zu versuchen. Ich kann heute eine dunkle Episode abwenden, weil ich gelernt habe wie sie ausgelöst wird und dagegen steuern, ganz selbstständig, auch wenn ich ab und zu noch Hilfe in Anspruch nehme, wenn ich glaube sie zu brauchen.
Ich weiß, wir kennen uns nicht, aber ich denke an dich. In meinen Augen müssen wir uns nicht alle kennen, um wichtig füreinander zu sein. Wir sind alle miteinander verbunden, auch wenn wir das im Alltag vielleicht nicht immer bemerken. Und jeder in dieser Welt macht einen Unterschied, auch wenn wir manchmal die Zusammenhänge nicht gleich sehen oder verstehen.