Als ich ganz unten und um mich alles dunkel war, sprang plötzlich ein Gedanke in meinen Kopf: Du lässt dich von anderen Menschen nicht unterkriegen! (Ich hatte meine Mutter verloren, meine Trauer war groß und die Menschen, die mich hätten auffangen können, ließen mich im Stich- ich war ganz alleine).
Ich blickte mich in meinem Zimmer um und nahm nach Jahren bewusst mein zwei alten Stofftiere wieder wahr.
Ich sprach mit ihnen und sie hörten mir zu.
Auf dem nahen Friedhof umarmte ich eine alte Birke und sie gab mir Kraft.Immer wieder, wenn ich sie brauchte.
Essen hatte für mich schön länger keine Bedeutung mehr, jetzt aß ich nach langer Zeit einmal wieder bewusst meine Lieblingsessen und genoss.
Auch hörte ich nicht mehr die traurige Musik, denn sie zog mich wieder runter, sondern suchte mir Tanzmusik aus.
Meistens fühlte ich mich nutz-und wertlos. Ich fing an, den Müll in unserem Viertel aufzusammeln. Dabei dachte ich nicht an die Menschen, sondern an Tiere und Pflanzen, die dadurch ein besseres Umfeld bekamen. Beim Müllsammeln musste ich niemanden fragen und konnte auch nichts falsch machen. Plötzlich sprachen mich Leute an und dankten mir- wann ich das das letzte Mal erlebt?
Einmal pro Woche ging ich dann in ein Café und gönnte mir ein Stück Kuchen und eine Tasse Kaffee. Nach ein paar Wochen kannte mich die Besitzerin und auch ein paar Gäste nickten mir zu. Da hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, wieder zu jemanden zu gehören.
Es ist nicht leicht und dauert seine Zeit, sich wieder an die Oberfläche zu kämpfen.
Manchmal erwischen mich immer noch üble Tage, doch dann habe ich meine Zuhörer oder gehe zur Birke, die mich tröstet.
Dorothee