Hallo Freund,

manchmal fühlt sich alles schwer an. Trostlos, kalt und grau wie ein nie endender Winter. Wie trüber Nebel, der alles Sonnenlicht verschlucken will.

Ich weiß nicht, wieso du gerade in der Dunkelheit watest; weswegen sich dir kein Sonnenlicht zeigt. Aber ich weiß, dass es immer einen Weg hinaus gibt. Für mich ging auch schon einmal die Welt fast unter und ich dachte damals auch, es würde nie mehr alles gut werden können; meine ganze Welt war mit einem Schlag zerbrochen.

Aber irgendwann wurde es leichter. Nicht von heute auf morgen, nicht in Wochen, Monaten… aber jeden Tag ein bisschen mehr.
Es ist, als ob man in eiskaltes Wasser geschmissen wird. Am Anfang ist man erstarrt, kann sich nicht bewegen und hat schreckliche Angst. Doch dann muss man sich daran erinnern, dass man schwimmen kann. Man muss sich dazu zwingen, die Arme und Beine zu bewegen, man darf nicht aufhören. Und wenn man die ersten paar Züge geschwommen ist, erinnert man sich daran, dass man es schaffen kann. Dass man schon immer geschwommen ist. Und auch, wenn das rettende Ufer vielleicht noch weit entfernt ist, muss man darauf vertrauen, dass man irgendwann dort ankommen wird. Vielleicht gibt es auch Personen, die einem einen rettenden Ring zuwerfen, den man dankbar annimmt.

Ich bin jeden Tag ein bisschen mehr Richtung Ufer geschwommen. Ich habe jeden Tag abends alle Dinge aufgezählt, die gut waren. Und jeden Tag fiel mir das ein bisschen leichter. Vielleichst versuchst du das auch?
Heute zum Beispiel habe ich Erdbeeren gegessen, die wirklich gut waren und ich hatte keine verschimmelte in der ganzen Verpackung. Jackpot! Heute habe ich einen ersten jungen Trieb von meinen im Herbst angepflanzten Tulpen entdeckt und obwohl mir das nasskalte Fabruarwetter mit seiner Kälte den Nacken hochkriechen wollte, war ich richtig glücklich! Und ich habe Wäsche gewaschen, aus der alle Flecken rausgegangen sind. Und ich habe meine Sofaritzen ausgesaugt und es hat so herrlich geklirrt im Staubsaugerrohr.

Es muss gar nichts Großartiges sein, verstehst du? Keine großen Gesten, Begegnungen oder Errungenschaften. Vielleicht ist etwas vollkommen Banales wie dass du endlich einen Fleck an der Tür weggewischt hast, der dort schon seit 4 Monaten klebte oder dass die Spaghetti heute die perfekte Bissfeste hatten.

Mir hat es geholfen, SO über das Leben zu denken. Abends tief durchzuatmen, das Handy in den anderen Raum zu legen und mit all den guten Dingen, die passiert sind, einzuschlafen.

Ich hoffe, du findest heute etwas, was dich für eine Moment glücklich gemacht hat. Auf meine Liste jedenfalls werde ich heute schreiben, dass mich der Gedanke, dass du die Zeilen gelesen und hoffentlich etwas Trost darin gefunden hast, glücklich gemacht hat.

Judith

Hilf uns, mehr Menschen zu erreichen: